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#28 – Sind umgebaute Vintage Lautsprecher IoT-Devices?

Ich höre gerne und viel Musik. Daher habe ich auch immer noch eine Stereo-Anlage und betreibe einen Jellyfin Mediaserver auf meinem Docker-Host, der auch meinen IoT-Stack betreibt. Dazu kommt noch ein Faible für Linux und die Raspberry Pi’s.

Kürzlich war ich auf der Suche nach einem DAC für den Raspberry Pi – also einer Art Soundkarte, die die Musikausgabe auf dem Pi Qualitativ verbessert und habe dabei den sog. Hifiberry Beocreate 2.1 gefunden.

Bang und Olufson ist ein bekannter Dänischer Hifi Hersteller, der Geräte mit schickem Skandinavischen Design herausbringt. Von ca. Mitte der 1980er bis Anfang der 2000er Jahre haben dazu auch die Beovox CX50/75/100 Boxen gehört.
B&O hat aber nicht nur neue Produkte im Sinn sondern auch ein Faible für Nachhaltigkeit und Kreativität – https://github.com/bang-olufsen/create – eben den schon erwähnten Beocreate 2.1. …

Ausgangslage

Die Lautsprecher sind 20+ Jahre alt. Entsprechend haben sie Gebrauchsspuren. Kleine Kratzer, Verfärbungen, Abrieb von was auch immer… – Alles in Allem für 20CHF ein schönes kleines Lautsprecherpaar.

Selbst die Fronten sehen okay aus! Nicht umwerfend, aber okay.

Auf dem Weissen Gebäuse prangt ein Altweisser Zierstreifen…

Und der Schaumstoff bei den Tief/Mitteltönern ist durch und muss Ersetzt werden. Bei Audiofriends in den Niederlanden gibt es ein komplettes Set samt Kleber für ein Boxenpaar.

Restauration der Sicken

Auf der Homepage von Audiofriends bzw. YouTube findet man gute Videos, wie man die Reparatur angeht. Es beginnt mit dem vorsichtigen Entfernen des alten Schaumstoffs und des Latexklebers. Irgendwie habe ich nie in Betracht gezogen, dass man defekte Speaker auch reparieren kann. Aber offensichtlich geht es.

Nach einigen Minuten vorsichtigen Kratzens und Aufweichen mit Isopropanol hat man den Dreh raus und nach ca. 20 Minuten sieht die Kalotte so wie auf dem Bild aus und alle Klebereste sind entfernt.

Man beginnt auf der Kalotte und zieht vorsichtig eine Schicht Klebstoff rund um die Kalotte. Darauf drückt man die Schaumstoffsicke rundherum vorsichtig fest. Immer daran denken – das besteht aus Papier und dünnem Schaumstoff! Danach 24 Stunden den Klebstoff abbinden lassen.

Ich konnte bei beiden Lautsprechern den schmalen Ring aus Pappe retten und habe diesen benutzt um die Schaumstoffsicke zu fixieren. Vorsichtig mit einem dünnen stumpfen Werkzeug (Spatel, Eisstil) die Sicke hochklappen und den Klebstoff auf das Chassis aufbringen und danach die Sicke rundherum eindrücken. Dann den Klangtest machen und hören ob die Kalotte zentriert ist oder nicht (ist im Video gut beschrieben).

Danach die Sicke vorsichtig festdrücken. Ich habe dann noch Klebstoff auf den Ring aufgebracht und diesen schön zentriert aufgesetzt. Nochmals den Klangtest und dann das Ganze mit Klammern fixieren und 24 Stunden abbinden lassen.

Digitalisieren

Der Umbau der Elektronik geht einfach von statten. Hinten die zwei grossen Schrauben lösen und den Deckel abnehmen. Dann die Drähte direkt an der Spuhle bzw. dem Kondensator abkneifen. Das Ziel ist hier maximale Drahtlänge.

Diese Bauteile belasse ich in dem Speaker. Danach habe ich die beiden Pins des alten DIN-Lautsprechersteckers abgebrochen und durchgestossen.
Anschliessend habe ich das Loch mit einem ca. 6mm Bohrer aufgebohrt und dann auf 11mm aufgeweitet. Das Material der Rückwand scheint ABS zu sein. Es lässt sich einigermassen mit dem Messer schneiden und gut Bohren. Nicht zu schnell und wenig Druck. Der Bohrer soll ja schneiden und nicht das Material schmelzen.

In das so entstandene Loch kommt dann die 5.2mm Buchse für die Stromversorgung samt ca. 25cm Kabel.

Jetzt kann man den Raspberry Pi ( bei mir ein Model 3B) aufstecken. Dabei darauf achten, dass alle Pins verbunden sind.

Fixieren mit den Abstandshaltern nicht vergessen. Der Raspi ist sonst nicht gut supportet und die Leiterbahnen auf dem Beocreate Board könnten beschädigt werden, wenn man die Box mal unsanft absetzt.

Jetzt noch die Hifiberry OS Distribution hier herunterladen und wie üblich auf die SD Karte kopieren. Auf den Webseiten wird Balena Etcher empfohlen, aber ich habe das Raspberry Pi eigene Tool verwendet.
Man findet im auf raspberrypi.org eine entsprechende Anleitung für eigene Images. Keine WLAN Daten hinterlegen. DAS macht man in der Software selbst.

Jetzt noch eine Kunststoffplatte (2mm Polystyrol aus dem Modellbau) von 10cm x 15cm zuschneiden. Die Löcher anzeichnen und Durchbohren und dann das Board auf Abstandshalter einbauen. Anschliessend habe ich das mit zwei Streifen M3 Doppelklebeband in der Box fixiert. Alternativ kann man auch Sperrholz nehmen oder die STL Datei drucken (lassen).

Die Stromversorgung des Raspberry Pi’s erfolgt über die Verstärkerplatine des Hifiberry. Hier am Besten kurz die Polung am Netzteil überprüfen und dann das Kabel entsprechend an die beiden Lötpads anlöten. Bei mir im Bild ist es das weisse zweipolige Kabel oben Rechts. Plus ist der zentrale Pin und Minus die umgebende Kontakt.

Danach einfach den Strom einstecken und der Raspberry Pi bootet – ohne Tastatur und Bildschirm.

Ein PDF mit dem Vorgehen kann man auch auf dem GIT Hub von Bang & Olufson finden.

Inbetriebnahme

Jetzt kann man mit dem Smartphone, PC oder Tablett nach einem Netzwerk suchen. Bevor das eigene Homenetzwerk hinterlegt wurde, erzeugt die Hifiberry/Beocreate Software ein eigenen WLAN. Verbindet man sich mit diesem Netzwerk – bei mir mit http://beocreate.local – kann man mit einem Wizzard gesteuert die Daten des eigenen Homenetzwerk eingeben. Danach nicht vergessen, in das Netz zurückzukehren…

Auf den WLAN Router kann man nun nachschauen, wie die IP-Adresse des Hifiberry Beocreate lautet und sich dann in einem Webbrowser mit der Software verbinden lassen.

Folgende Services werden angeboten:

  • Airplay
  • Analoge input of the DAC+ ADC
  • Bluetooth (not on Raspberry Pi 3B or below)
  • DLNA
  • Logitech Media Server / Squeezebox
  • MPD for local music
  • Snapcast (experimental)
  • Spotify
  • Roon
  • Web radio stations

Wichtig ist nun, dass man hier die richtigen Presets für die Lautsprecher auswählt. Es sind einige Bang & Olufson Lautsprecher hinterlegt, aber es gibt auch einen generischen Lautsprecher.

Hier habe ich die Presets (Programme für den Digitalen Signal Prozessor (DSP) des Verstärkers) für die CX50 Box ausgewählt. Nach Abschluss des Wizzards und einem Reboot der Box/Beocreate/Raspberry Pi konnte ich mich per Apple Airplay auf meinem Musik auf die Boxen streamen!

B&O Sound im Homeoffice als Smarte Box – und JA – umgebaute Vintage Lautsprecher sind ganz klar IoT-Devices!

Werkzeug

  • Akkuschrauber mit 6mm und 11mm Bohrer
  • Philipps-/Kreuzschlitz-Schraubendreher mittlerer Grösse
  • Seitenschneider
  • Lötkolben, Elektronik-Lot
  • 2-Adriges Kabel für Stromversorgung
  • Elektro-Schraubendreher
  • Schrumpfschlauch und Feuerzeug
  • Bastelmesser und Polystyrolplatte

Bis auf den Lötkolben kein High-Endwerkzeug und wohl in jedem Haushalt zu finden. Für den Lötkolben lohnt sich ggf. ein Blick bei Amazon, ob es keine kleine Lötstation für den Akku des Akkuschraubers gibt. Da kann man für kleines Geld einen einfachen Lötkolben finden, der vollkommen ausreicht.